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Ausgabe vom

Kultur >> Film

Die Cubaner sind begeisterte Cineasten. Besonders an den Wochenenden steht man Schlange an den Kinokassen für eine Karte. Das Angebot an internationalen Filmen ist sehr gut, grösstenteils sind die Filme synchronisiert.

Den nationalen Charakter der Filmkultur in Cuba und dessen Einzigartigkeit in der Dritten Welt entwickelten vor allem Tomás Gutiérrez Alea, Julio García Espinosa und Santiago Alvarez. Auf Grund der Erfahrungen mit Sergej Eisenstein und Dsiga Vertov begründete Alvarez einen Stil im Dokumentarfilm, der unvergleichbar ist. Sein Kurzfilm Now (1965) wurde weltberühmt. Er entwickelte eine Montagetechnik, die an Europas Filmakademien als Lehrbeispiel diente. Eindrucksvoll und unnachahmbar blieb sein Che-Film Hasta la victoria siempre (1967). Santiago Alvarez hatte 48 Stunden Zeit, diesen Film herzustellen, der bei den Trauerfeierlichkeiten nach Ches Ermordung vor hunderttausenden Kubanern auf der “Plaza de la Revolución” projiziert wurde. Als Leiter der Wochenschau-Abteilung (NOTICIERO) im ICAIC war Santiago Alvarez Lehrer und Gönner der jüngeren Generation kubanischer Filmemacher.

Die Geburtsstunde des revolutionären cubanischen Kinos muß im Jahre 1956 angesetzt werden. Julio García Espinosa und Tomás Gutiérrez Alea drehten damals El Mégano, einen Kurzspielfilm über die tristen sozialen Verhältnisse in einem abgelegenen Köhlerdorf. García Espinosa wurde von Batista dafür eingesperrt. 1956 ist auch das Geburtsjahr des „Neuen Lateinamerikanischen Kinos“, einer Bewegung von engagierten Filmemachern, die das Kino am Subkontinent erneuerten. Fernando Birri drehte in Argentinien Tire die und Nelson Pereira dos Santos Rio 40 graus in Brasilien.

Die cubanische Filmproduktion nahm seit 1959 einen rapiden Aufschwung. Bereits in den ersten Jahren nach der Revolution begannen Regisseure und Produzenten, die cubanische Wirklichkeit mit filmischen Mitteln darzustellen. Sie orientierten sich dabei weniger an gängigen Hollywood-Modellen, sondern versuchten, Geschichte, Kultur und spezifische Probleme der cubanischen und lateinamerikanischen Bevölkerung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Beispiele: Lucia (1968), Retrato de Teresa (1979), El brigadista (1977) Die Cubaner beklagen allerdings, dass die Qualität der Filmproduktion in letzte Zeit nachgelassen habe. Der Film habe sich zunehmend von der gesellschaftlichen Realität entfernt. Von Selbstzensur ist die Rede, von inhaltlichem Dogmatismus und formalen Unzulänglichkeiten. Eine Antwort darauf war 1986 die Einrichtung der internationalen Film- und Fernsehakademie in San Antonio de los Banos in der Provinz Havanna. Diese Akademie ist autonom und nicht dem Erziehungsministerium unterstellt.

"Die Überlebenden" von Tomas Gutierrez Alea und Antonio Benitez

1993 wurde in Cuba der Film „Fresa y Chocolate“ von Tomas Gutierrez Alea und Juan Carlos Tabio gedreht, der im Februar 1994 bei der Berlinale mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet wurde. Die locker-ernste Komödie des anfangs noch orthodoxen Revolutionsanhängers David und des nonkonformistischen Schwulen Diego sowie seiner Nachbarin Nancy, die sich auf ihre Weise durch den Alltag zwischen Linientreue und Schwarzmarkt mogeln, ist mehr als eine mitreissende Dreiecksgeschichte. Sie ist, voller kritischer Anspielungen auf das heutige Cuba, ein auch auf der Insel selbst begeistert aufgenommenes, vergnügliches Spiel mit den Träumen einer neuen Gesellschaft.

Cuba. I am CubaDer preisgekrönte Film "I am Cuba"

Drehscheibe für lateinamerikanische Filmproduktionen ist seit 1979 Havanna als Ort des „Internationalen Film Festivals des Neuen Lateinamerikanischen Kinos“. Dieses größte Filmfestival auf lateinamerikanischem Boden findet jährlich im Dezember statt und ist Treffpunkt der Filmwelt Süd-, Mittelamerikas und der Karibik. Es ist zum entscheidenden Forum des dortigen Films geworden.

Link:
http://www.habanafilmfestival.com