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Internet-Reiseführer
"Cuba erleben". Herausgeber: Web Travel Guide
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Ausgabe
vom
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Kultur >> Cubas Kunstgeschichte
Die Malerei, Zeichnung und cubanische Grafik, gekennzeichnet
durch ihren enormen Aufschwung, Reichtum und ihre Einzigartigkeit, haben
in ihrem Verlauf eine aufsteigende Linie gezeigt.
Zenen
Vizcaino Ortiz: Mani en granos, 1999, Öl auf Leinwand |
>>
Die ersten historischen Zeugnisse
>>
Das 15. und 16.Jahrhundert
>> Die
Kolonialzeit
>>
Die nationale Malerei im 19.Jahrhundert
>> Zu Beginn
des 20.Jahrhunderts
>> Die 40er
und 50er Jahre
>> Die 70er Dekade
>> Die
Emanzipation der 80er Jahre
>> Die Malerei
im Exil
Die ersten historischen Zeugnisse
Die ersten Zeichen stammen von der Höhlenmalerei; spätere
Zeugnisse waren, die von europäischen Händen gefertigten Kartographien
der Insel, vereinigt mit Eindrücken und Mythen, entwickelt von
den Chronisten. Auf dem langen historischen Weg ist es unumgänglich,
die Anfertigung der Wandmalereien, grösstenteils anonym, an Innen-
und Aussenflächen der Häuser aus der Kolonialzeit zu erwähnen.
Anhand ihres Charakters und ihrer handwerklichen Qualität kann
man sie als "volkstümlich" bezeichnen. Es wurden natürliche Pigmente
und einige minderwertiger Farbstoffe verwendet, und je später die
Darstellungen ausgeführt wurden, um so komplexer und vollendeter präsentiert
sich ihre Technik.
Das 15. und 16. Jahrhundert
Während des 15. und 16. Jahrhunderts befindet
sich die Insel, im Gegensatz zu anderen lateinamerikanischen Kolonien,
in extremer ökonomischer Armut und Vernachlässigung, und ist
somit auch kulturell unbedeutend. Cuba, dem "Schlüssel der Neuen
Welt", strömen ausländische Künstler zu, und eine Vielzahl
von Gemälden werden aus Spanien gebracht, um Kapellen und Kirchen
auszustatten. Wenn man auf die Namen der Tafelmaler Juan Camargo und
Juan de Salas y Argüillo trifft, so stellt man fest, dass die Heiligenbildschnitzerei
noch nicht durch die Malerei ersetzt wurde. Im folgenden Jahrhundert
beginnt die Insel, wegen des Aufenthalts der Flotten, die beauftragt
sind, Schätze von Mexiko nach Spanien zu bringen, aufzublühen.
Die Militärgewalt teilt ihre Vorherrschaft mit dem Klerus, der, besorgt
um die Errichtung und Ausschmückung der Kirchen, die Ausführung
von Kopien religiöser, von der Metropolis importierter Modelle
fördert, ohne sich für die eigentliche Schaffung von Werken zu
interessieren. Die Kunst hatte demnach, bevor sie Ausdruck der Kultur
im eigentlichen Sinn wurde, eine Kultfunktion. Nur wenige dieser Arbeiten
aus jenen fernen Jahren haben die Gegenwart erreicht. Es gibt nur sehr
ungenaue Andeutungen in Dokumenten, so dass es heute eine grosse Anzahl
anonymer Werke und eine ebenso lange Reihe von unbekannten Malern gibt.
Die Kolonialzeit (speziell das 18. und 19. Jahrhundert)
In der Kolonialzeit, die historisch vier Jahrhunderte
umfasste, ist für die besagten Gattung eigentlich nur das 18. und vor
allem das 19. Jahrhundert von Bedeutung. Francisco Javier Báez ist der
erste Cubanische Grafiker, der neben religiösen Themen auch Zeichnungsentwürfe
für Tabak und Zigarrenmarken in Xilografie (Technik, die in Cuba
1723 eingeführt wurde) ausführt. Fremde Grafiker und Zeichner,
vor allem Franzosen, kommen auf die Insel und in Form von Alben stellen
sie Landschaften, Bräuche und Orte dar. Die Grafik, ausser ihren
künstlerischen Werten, stellt das einzige Mittel dar, Vorkommnisse
und ihre Konsequenzen, einschliesslich das Volkstümliche, wahrheitsgetreu
festzuhalten. Das erste grafische Dokument über die Toma de la Habana
(Einnahme Havannas) durch die Engländer, wird von Doimnique Serres in
Jahr 1762 geschaffen. Ihre lithografische Auflage wird ein Jahr später
in Frankreich erarbeitet. Die sechs Ansichten der Stadt, von dem Nordamerikaner
Elías Durnford zwischen 1764 und 1765 realisiert, bilden die Vorläufer
der Cubanischen Szenen der ausländischen Grafiker des 19. Jahrhunderts.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verändert sich das Cubanische Kulturpanorama,
als Folge der bislang erreichten Entwicklung, welche vor allem auf das
Wachstum der Zuckerindustrie, welche die Eingliederung des Landes an
das Industriekapital entscheidet, zurückzuführen ist. Es sind die Zeiten
der Aufklärung …. Die Sociedad Econóimca de Aimgos del País (Wirtschaftsgesellschaft
der Freunde des Landes) wird gegründet, Schulen und Universitäten vermehren
sich, die öffentliche Bibliothek wird vergrössert, und in der Presse
erscheinen Anzeigen von Zeichenlehrern und Porträtmalern. In ihrem Ursprung
trug die Malerei einen mystischen und religiösen Charakter, bevor sie
aristokratisch oder volkstümlich wurde. Sie wird als eine nutzbringende
Tätigkeit betrachtet, als ein Beruf. Die Künstler sind Mulatten und
Schwarze – Autodidakten, die untereinander Lektionen austauschen; sie
werden als Handwerker angesehen. José Nicolás de la Escalera y Domínguez
ist der erste Cubanische Maler, mit Ausnahme von Tadeo Chirino aus Santiago,
der, aber siebzehn Jahre jünger, ein Werk mit grösseren Ungenauigkeiten
und mehr Primitivismus entwickelt. Escalera malt zum ersten Mal das
Abbild eines Negersklaven in den Wandmalereien der Kirche von Santa
María del Rosario. Die einheimischen Maler, Vorakademiker, Juan del
Río und Vicente Escobar y de Flores pflegen die religiöse und Porträtmalerei
(Generalkapitäne, Aristokratie ), europäische, vor allem spanische Vorbilder
nachahmend, denen einige Unfertigkeiten, grosse Kälte und protokollarische
Steifheit zugrunde liegen. Escobar, jener Mulatte, der seinen Titel
als Weisser erkaufte und von der spanischen Königin zum königlichen
Kammermaler erhoben wurde, kennzeichnet den Übergang vom 18. zum 19.Jahrhundert.
Esteban
Chartrand: El Baile, 1879 |
Dieses letzte Jahrhundert, wird
durch den Aufschwung der Zuckerindustrie und den zunehmenden Sklavenhandel
charakterisiert, verbunden mit dem gleichzeitigen Aufblühen der
einheimischen Bourgeoisie und ihrer Suche nach Repräsentativität.
Die Anzahl der bestellten Porträts, welche die früheren aristokratischen
Porträts verdrängen, erhöht sich. Der Bischof Juan José Díaz de
Espada y Landa, Förderer der Wissenschaft und Kunst, trägt gegen
1805 dem Italiener José Perovani, einem der fremden Künstler, die
Einfluss auf das Cubanische bildnerische Schaffen ausüben, die Fresken
der Kathedrale von Havanna auf. Dieser Geistliche und der Intendant
Alejandro Ramírez sind die Protagonisten des grössten kulturellen
Ereignisses dieser Zeit. Sie gründen 1818 die Academia Nacional
de Bellas Artes, um die Malerei aus den Händen der Schwarzen und
Mulatten zurückzuerobern. Diese zweite Akademie Amerikas, nach der
von San Carlos in Mexiko, erhält als ersten Direktor den Franzosen
und Schüler des Meisters David, Juan Bautiste Vermay, der ins Land
kommt um das Werk Perovanis weiterzuführen und zudem als Hauptwerk
die Gemälde im Templete schafft; sie stellen die erste zelebrierte
Messe an jenem Ort, den ersten Cabildo (Gemeindrat) und die Einweihung
dieses kleinen Tempels dar. Auf der Insel werden die um Dekaden
zurückliegenden europäischen Tendenzen der Malkunst gelehrt. Die
Akademie schlägt eine Methode für die Darstellung vor, ein bestimmtes
Schönheitsideal, eine Themenskala; sie tritt für den hedonistischen
Sinn der Kunst, für die Mimesis, und für die Zeitlosigkeit ein,
ausserdem trägt sie die Verantwortung für die öffentliche, staatliche
und gesellschaftliche Ausrichtung der Kultur. Ihre Realisierungen
sind entfernt von der zeitgenössischen Wirklichkeit, die sich nur
mit nicht dominierenden Auseinandersetzungen, wie beispielsweise
mittels der Karikatur und der Illustration, darstellen lässt. Der
Neoklassizismus, die erste der aufgenommenen Ausdrucksformen, fügt
den Bildern einen historischen, mythologischen und allegorischen
Zusammenhang hinzu. Das Ölgemälde, von allen bildnerischen Techniken
die traditionellste, wird gerade recht kultiviert. Nach dem Tode
von Juan Bautiste Vermay wurde die Akademie für eine kurze Periode
von dem Cubaner Camilo Cuyás, den Ausländern Guillermo Francisco
Colson, Juan Bautista Leclerc de Baume, Pierre – Frederic Mialhe
Toussaint, Hércules Morelli, Augusto Ferrán, Fracisco Cisnero Gerrero
und dann dem Cubaner Miguel Melero Rodríguez. geleitet. Es ist hauptsächlich
eine französisch – italienische Folge bis zur dauerhaften Anwesenheit
Meleros, des ersten Cubanischen Direktors in den letzten fünf Jahren
des Jahrhunderts, die gerade mit der Zeit des höchsten Glanzes der
Akademie in Cuba zusammenfällt. Seit diesem Zeitpunkt wird die Leitung
stets in Cubanischen Händen bleiben. Das ist der Ausgangspunkt für
die Kontinuität in der nationalen Malkunst. Neue Initiativen und
Änderungen, wie beispielsweise die Aufnahme der Frauen in die Akademie,
als es noch in keiner anderen diese Möglichkeit gab, treten erst
unter der Leitung dieses Meisters auf. Ausser seiner vielen Gemälde
schafft er das Bild am Hauptaltar der Kapelle auf dem Cementerio
Colón (Friedhof). In diesem Jahrhundert wird die Grafik durch Leonardo
Barañano, Hipolito Garneray, Eduardo Laplante und auch Federico
Mialhe repräsentiert, dessen drei Alben: "Malerischer Spaziergang",
"Malerische Insel Cuba" und "Die Insel Cuba" die vollständigste
grafische Reportage bilden. Kleine lithographische Auflagen, an
den Handel und an Anzeigen gebunden, erscheinen seit der Errichtung
einer Werkstatt im Jahre1822. Mittels der Lithographie werden mit
grosser figurativer Entfaltung die Markenbänder für Zigarrillos
und Zigarren hergestellt. Sie sind der hauptsächliche Grund für
die Förderung, das Wachstum und den Aufschwung dieser Technik.
Die nationale Malerei im 19.
Jahrhundert
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts
beginnt sich die nationale Malerei herauszubilden. Der Geschmack
und die Wertschätzung der Malerei formieren sich in Cuba in dem
Masse wie sich das geistige Milieu der Insel mit neuen Bestrebungen
belebt. Im Politischen sind die Stimmen von Félix Varela, Tomás
Gener, José Antonio Saco und Betancourt Cisneros mit Voraussagen
über die Freiheit zu hören, und gleichzeitig legen andere Intellektuelle
den Keim für eine einheimische Kultur; unter ihnen sind Don José
de la Luz y Caballero, Domingo del Monte y José María Heredia zu
erwähnen. In der Malerei dieser Etappe findet mit der Landschaftsmalerei
die Romantik ihren Einzug, beeinflusst von den französischen Schulen
Barbizon und Fontainebleau, oder durch die nordamerikanische Schule
vom Hudson River. Esteban Chartrand und Valentin Sanz Carta sind
Beispiele zweier entgegengesetzter Auffassungen; der erste, Cubaner
französischer Herkunft, schafft nostalgische und idealisierte Landschaften
im Dämmerlicht, in dem man als Cubanische Elemente Bohíos (Bauernhäuser),
Ingenios (Zuckerfabriken) und Palmen erkennt; und der andere, Cubanisierter
Kanarier, bietet uns eine direktere, realistischere, vom tropischen
Licht durchdrungene Landschaft an. Unter den Landschaftsmalern sind
auch der Belgier Henry Clennewerck und der Cubaner Federico Fernández
Cavada zu erwähnen. Zu dieser Zeit tritt auch die Genremalerei von
Juana Borrero, José Joaquín Tejada und Victor Patricio Landaluze
hervor, Letzterer, am meisten anerkannt durch den grossen plastischen
und dokumentarischen Wert seiner Werke. Er arbeitet mit Aquarell-
und Ölfarben, den Bildern die Transparenz und Leuchtkraft der Wasserfarbenmalerei
verleihend und kultiviert ausserdem die politische Karikatur, wo
er in seinen Bildern, wie kein anderer, das Kreolische mit einem
treffendem Sinn für Beobachtung, Qualität und feinen Sittenhumor
ausdrückt. In der Zeit des offiziellen Akademismus, der sich bis
zum ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ausdehnte, sind Juan Jorge
Peoli, José Arburu y Morell, und Miguel Angel Melero besonders zu
erwähnen; und ebenso auch Guillermo Collazo Tejada; eine widersprüchliche
Figur wegen seiner separatistischen Ideen auf politischem Gebiet
und seiner Verpflichtung zur konservativen französischen Malerei
in der Kunst. Es darf auch der Name des aus Santiago stammenden
unglaublichen Poträtmalers Federico Martínez Matos nicht fehlen,
dessen Eintritt in die Akademie man bezweifelt und in dessen eigenartigem
Werk sich spanischer Realismus und italienischer Idealismus mischen.
Armando García Menocal und Leopoldo Romañach Guillén tragen nach
ihrer Rückkehr aus Europa zur kulturellen Erneuerung bei, die, begünstigt
durch die neuen Zeiten, die neuen Regierenden und durch die unter
nordamerikanischer Besetzung begonnene pädagogische Reorganisierung
ihren positiven Aspekt fand. Man beruft sie zur Ausübung der Lehrtätigkeit
an die Akademie, wo sie Generationen Cubanischer Maler ausbilden.
Menocal, der während seiner Teilnahme an den Unabhängigkeitskriegen,
Skizzen für eine epische Cubanische Malerei schuf, beeinflusst die
Orientierung der ersten neuen Künstler der Republik: Manuel Vega,
Esteban Valderrama y de la Peña, Pastor Argudai … Romañach ist andererseits,
nach Juan Bautiste Vermay und Miguel Melero, als einer der fähigsten
Professoren unserer künstlerischen Entwicklung anerkannt; Meister
des Avantgardismus, der die dekadente Romantik durch den Naturalismus
ersetzt, arbeitet er mit dem lebenden Modell und nimmt das Porträt,
in welchem die psychologische Darstellung des Modells nicht interessiert,
als Vorwand. Beide werden als Künstler anerkannt, die das 19. Jahrhundert
mit dem grössten Ansehen beenden, und das 20. Jahrhundert mit dem
Übergang zur modernen Malerei in Cuba einleiten. Valderrama, Doimngo
Ramos und Romañach verwirklichen, bei Festhalten am Akademismus,
die Wandmalereien der Aula Magna, [Universität von Havanna] und
des Palacio Presidencial, während die Modernisten ihre ersten Schritte
tun.
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts:
Erst nach 1916, mit dem Salon
de Bellas Artes, beginnt die Kommerzialisierung der Kunst. Zuvor
setzte das Porträt eine zweiseitige Beziehung voraus, die Geschichte
war mehr dem Staatlichen verbunden, und das Allegorische führte
auf die Erziehung zurück. Dem Absolventen standen keine wirklichen
Ausstellungsräume zur Verfügung, denn nur die Akademie selbst und
Messen, die im Pabellon de Educación in der Quinta de Molinos veranstaltet
wurden, existierten als Kanäle zur Verbreitung. Die regionalen spanischen
Zentren: asturianische, kanarische und galizische, waren Ausstellungsorte
für spanische Maler und erst im 20. Jahrhundert, mit der Entstehung
der Republik und der Teilnahme der Katalunier, erheben diese Einrichtungen
ihre Machtsymbole. Als Folge entwickeln sich mit privater Unterstützung
kulturelle Einrichtungen wie das Atheneum, und die Akademie für
Kunst und Literatur (1910). Die Asociación de Pintores y Escultores
cubanos wird gebildet, um das Werk der Cubanischen Künstler gegenüber
den ausländischen zu verteidigen, ausserdem ist sie beauftragt,
jährlich den Salón de Bellas Artes zu organisieren. Während der
peninsulare Sektor spanische Malerei geniesst, investiert die herrschende
Oligarchie hauptsächlich in fremde Modelle, in jene Produktion,
die ihrer kulturellen Repräsentanz geweiht ist. Der neue Reiche,
Schuldner des Zuckeraufschwungs nach dem Ersten Weltkrieg, nähert
sich den Werken der Repräsentation, von den Ausmassen des Bildes
und seinem Rahmen geleitet, nicht aber durch seine Meisterschaft.
Es sind gerechterweise die Intellektuellen und Gebildeten, welche
die Cubanische Produktion vorziehen. Zu Beginn der zwanziger Jahre
taucht in den Wirren des konfliktreichen politischen und sozialen
Panoramas eine neue Generation von Intellektuellen auf. Die Zeitschrift
Avances (1927) ist der grundsätzliche Platz um die neuen Ideen und
bildnerischen Sprachen zu beherbergen. Später werden es die Publikationen
Verbum (1930), Espuela de Plata (1940) und Orígenes (in den fünfziger
Jahren) sein. Im Jahr 1937 gründen die eigenen fortschrittlichen
Künstler das Estudio Libre de Pintura y Escultura, welches von der
Akademie vernachlässigte Kunstrichtungen wie die Holzschnitzerei
und die Wandmalerei fördert, und es wird der "Erste Salon der Modernen
Kunst" eingeweiht. Und wie in jeder avantgardistischen Bewegung,
versucht der Künstler die Gesellschaft mittels die Kultur zu transformieren.
Die Revolution in der Plastik, die Cezanne, Gauguin, van Gogh …,
in Europa mit den modernen –ismus einleiteten, zeigt sich in Cuba
zwei Jahrzehnte verspätet. Die zu jener Zeit Meister der modernen
Cubanischen Malerei sein werden, schöpften aus diesen Quellen und
auch aus der mexikanischen Wandmalerei, bis zur Schaffung eines
persönlichen und zutiefst Cubanischen Werkes.
Antonio
Gattorno: Quieres mas cafe, Don Nikolas?, 1936 |
Es handelt sich um eine
nationale Kunst der Erneuerung und antiakademischen Lösungen. Die
Porträt- und Landschaftsthemen fordern ihre eigene Bedeutung zurück
und werden, ausser in Öl auf Leinwand, mit anderen bildnerischen
Techniken erarbeitet. Rafael Blanco präsentiert sich mit seinen
Aquarellen und Zeichnungen ("gemalte Karikaturen", die nicht als
Malerei angesehen wurden) als Pionier in der Suche nach neuen Ausdrucksformen
und als Vorläufer des Cubanischen bildnerischen Avantgardismus.
Die zum Akademischen parallellen, aber nicht dominierenden Verläufe
sind diejenigen, in denen mit grösserer Leichtigkeit die Modernität
Eingang findet: in der Presse, in der Karikatur (Torriente und Massaguer
sind ihre Hauptvertreter) und in der grafischen Zeichnung auf Titelseiten
von Zeitschriften (in den zwanziger Jahren trat vor allem die Revista
Social hervor). Es muss auch hervorgehoben werden, dass seit Beginn
dieses Jahrhunderts die Serigrafie in Cuba zeitweise zur Ausübung
kommt. Dieses zeitgenössische Druckverfahren wurde ursprünglich
vor allem für grafisch – publizistische und industrielle Zwecke
genutzt, und seine Einführung in Havanna geschah (gegen 1910), als
eine der ersten in der Welt. Unter den Vorläufern der Cubanischen
Avantgarde ist Victor Manuel herauszuheben, der vom Figürlichen
ausgehend neue Formen prüft und in der Geschichte der Cubanischen
Malerei ein Symbol mit seinem Bild "La Gitana Tropical" hinterlässt.
In der dritten Dekade findet die endgültige Konsolidierung der modernen
Kunst in Cuba statt. Das ist das erste Moment der Wende in der Cubanischen
Malerei, die den Intimismus Antonio Gattornos; die Guajiros [Bauern]
Eduardo Abelas; die Sinnlichkeit Carlos Enriquez, die sozialpolitische
Kritik Marcelo Pogolottis, das Drama einer künstlerischen Welt,
Verzweiflung und Agonie Fidelio Ponces; die von Wifredo Lam hervorgehobenen
afrikanischen Wurzeln unserer Kultur und die Stilleben, kombiniert
mit Elementen Cubanischer Architektur, von Amelia Pelaez, zusammenfasst.
Dazu gehören auch Arístides Fernández, mehr entfernt von der allgemeinen
Strömung aber mit ähnlichen Anregungen; Jorge Arche mit seiner Personalisierung
der Porträtierten, und ausserdem Mariano Rodríguez, dessen Werke
sich durch ihre chromatische Darstellung auszeichnen; René Portocarrero
und die Innenräume aus der Kolonialzeit, und noch andere Namen wie
Mirta Cerra, Roberto Diago und José Mijares.
Die 40-er und 50-er Jahre
Die vierziger und fünfziger
Jahre markieren das zweite Moment der Cubanischen Plastik. Eine
neue Avantgarde entsteht in diesem Prozess der weiteren Modernisierung
der Kunst; in diesem Moment in Übereinstimmung mit der Tendenz der
internationalen Kunst, deren Brennpunkt nicht mehr in Europa, sondern
in Nordamerika liegt. Der Abstraktionismus kommt in unser Lande
und provoziert die Contrabienale von 1953. Die vorgenannten Künstler
passen ihr Schaffen diesen neuen Einflüssen an. Raúl Martínez gründet
die Gruppe Los 11 (Gruppe der Elf), der abstrakten Informalisten,
und dann erscheinen die Konkreten, als unabhängige Kreative, die
die geometrische Abstraktion pflegen: Sandú Darié, Salvador Corratgé,
Luis Martínez Pedró, Loló Soldevilla und Pedro de Oraá. Die Meister
Antonia Eiriz und Servando Cabrera Moreno befassen sich nach und
nach mit dem Expressionismus, zu ihnen zählt auch Orlando Llanes.
Angel Acosta León spielt trotz seines frühen Todes eine wichtige
Rolle bei der Pflege des neuen Surrealismus. In den vierziger Jahren
erfährt die Cubanische Serigrafie, verbunden mit dem politischen
Plakat, die grösste und umfassendste Verbreitung aller Zeiten. Die
Verschmelzung des Plakats mit der Serigrafie schafft eine Plakatkunst
mit eigenen Merkmalen, die ab 1943, insbesondere im Filmplakat (durch
den Aufschwung der mexikanischen und argentinischen Filme) sichtbar
wird; eine serigrafische Verbindung, die ohne Unterbrechung bis
zur Gegenwart anhält. Parallel dazu werden die serigrafischen Anwendungen
auf verschiedenartigen Trägern weiter fortgeführt: Karton, Papier,
Stoff, Holz … für publizistische und industrielle Zwecke, wobei
diese Methode Ende der vierziger Jahre eine nennenswerte Entwicklung,
und ihre höchste Reife in den fünfziger Jahren erreicht, einer Periode,
in der spontane Streifzüge qualitativer Relevanz in der Kunstserigrafie
auftreten.
Marcelo
Pogoloti: El Alba, 1943 |
Die Cubanische Kunst der
letzten vier Jahrzehnte repräsentiert die revolutionäre Periode,
ihre Kontinuität und die Vollendung eines Reifeprozesses. Die sechziger
Jahre förderten Heterogenität, Pluralität und Ausdrucksfreiheit,
die den Optimismus und das Vertrauen, um die im Lande stattfindenden
Veränderungen, hervorzuheben. Der serigrafische Nachlass wurde von
der Revolution bereits in den ersten Monaten des Jahres 1959 übernommen
und hinzu kamen neue Inhalte, Werte und Projektionen auf ideologischem
und kulturellen Gebiet. Die Grafik erfährt einen ausserordentlichen
Boom durch die Plakatkunst des ICAIC (Instituto Cubano de Arte e
Industria Cinematográfica = Cubanisches Institut für Filmkunst und
–industrie), sie erringt, trotz grossen Mangels an materiellen Mitteln,
Ergebnisse besonderer Bedeutung hinsichtlich ausdrucksvoller, ästhetischer,
ikonografischer, formaler, chromatischer und technologischer Aspekte.
Die humoristische Zeichnung, begründet in alltäglichen Wirklichkeiten,
entfaltet eine breite Entwicklungslinie. Die Lebenshaltung des Cubaners
bildet die eigentliche Grundlage des Humorismus und führt auf das
vergangene Jahrhundert, auf die Anti-Kolonialzeit und auf die Zeit
nach der Gründung der Republik 1902 zurück. Adigio Benítez und Carmelo
Sobrino stellen Bauern und Arbeiter in den Mittelpunkt ihrer Bilder;
Raúl Martínez die Helden; und andere Künstler behandeln Themen aus
ihrer jeweiligen Wirklichkeit. Meister jener bemerkenswerten Generation
wie Servando Cabrera, Mariano Rodríguez, René Protocarrero, Amelia
Pelaez, Wifredo Lam …. setzen ihren Weg fort und bekräftigen gewisse
Nuancen in ihren Themen und Stilen; sie nehmen dabei immer einen
herausragenden Platz in der Cubanischen Malerei ein, die sich, ebenso
wie die internationale Bewegung, um Figuration bemüht. Antonia Eiriz
hinterlässt eine unvergängliche Spur in vielen der ersten Absolventen
der Escuela Nacional de Arte (Nationale Kunstschule). Die meisten
von ihnen sind bäuerlicher Herkunft und sie sind es, die in den
folgenden Jahren das künstlerische Schaffen beleben werden.
Die 70-er Dekade
Die 70er Dekade ist eine Blütezeit
für die Zeichnung und Grafik, vertreten durch: Roberto Fabelo, Pedro
Pablo Oliva, Zaida del Río, Nelson Domínguez, Eduardo Roca (Choco)
… Mit Raúl Martínez erscheint der in einer politisch-kulturellen
Auffassung integrierte Pop. Humberto Peña stellt auch eine persönliche
Konzeption dieser Tendenz auf und wird ebenso wie José Luis Posada
und Santiago Chago Armada wichtiger Vorgänger der folgenden Generation.
Alfredo Sosabravo zeichnet sich in diesen Jahren durch seinen besonderen
Sinn für Humor aus; Manuel Mendive mit dem Thema Afro und einem
absichtlichen Primitivismus; Ever Fonseca durch die Behandlung der
populären Cubanischen Mythologie und Flora Font durch die Bauernlegenden.
Der Fotorealismus von Thomas Sánchez, César Leal, Nélida López,
Gilberto Frómeta, Aldo Menéndez und Flavio Garciandía hebt sich
in den siebziger Jahren durch die Anpassung der Themen der Cubanischen
Gesellschaft an diese Sprache hervor.
Mariano
Rodriguez: Gallo con flores, 1979 |
In den folgenden Jahren entsteht
ein Netz kultureller Institutionen, die spezialisiert Ausstellungsräume
anbieten. 1963 wurde in der UNEAC (Cubanischer Schriftsteller- und
Künstlerverband) ein Atelier für Serigrafie installiert und im Jahr
1979 organisierte das Casas de las Américas eine Werkstatt, in der
Arbeiten Cubanischer und lateinamerikanischer Künstler serigrafisch
vervielfältigt wurden; aber erst im Jahre 1983, mit der Gründung
des Taller Experimental de Serigrafía René Portocarrero wird die
Serigrafie das von den Malern bevorzugte Druckmittel für die Vervielfältigung
ihrer Werke, was zugleich einen wahrhaften Aufbruch der Kunstserigrafie
fördert. Die achtziger Jahre bedeuten das dritte Moment der Wende
unserer künstlerischen Produktion und einen Höhepunkt des Aufblühens
der Cubanischen Plastik. Eine neue Generation bildender Künstler
aus dem Instituto Superior de Arte (Kunsthochschule) gibt dafür
den Ansporn; für sie bedeutet das künstlerische Schaffen eine kognoszitive,
forschende und intellektuelle Motivierung, im Einklang mit den Zeiten
der "Entweltlichung" der Kunst und in einem Moment der Vorherrschaft
orthodoxer und schematischer Gedanken in der nationalen Wirklichkeit,
gegen die der Künstler seine Unzufriedenheit zum Ausdruck bringt.
Eine emanzipatorische Bewegung, elche die Hoffnungen der alten Avantgarde
zusammenfügt, und ein Moment der Inkommunikation zwischen dem künstlerischen
und dem institutionellen Sektor erscheinen lässt, ist zugleich eine
überschreitende, entheiligende Bewegung, die sich in ihrer Sprache
und Poesie in den gegenwärtigen Postmodernismus integriert. In allgemeinen
Zügen wird die historisch-politische Auffassung durch die Zerlegung
historischer Werte und vaterländischer Symbole bestärkt; es werden
die spezifischen Werte der Kunst hervorgehoben und der Weg der Aneignung
genutzt, die Installationen, ready mode, die konzeptuelle und sachliche,
sowie die kurzlebige Kunst: Happenings und Performance (die Gruppen
Puré und Arte Calle). Die visuelle Kommunikation der Volkskunst,
der Kitsch, der Witz, die anthropologische und die natureinbeziehende
Überlegung, der Mythus, das einheimische Element unserer Kultur
und die lateinamerikanische und der dritten Welt angehörige Identität
werden übernommen. Es tauchen neue Themen auf, und sowohl die Malerei
als auch die übrigen Kunstgattungen tauschen, mit grösserer Freiheit
der Techniken, Beziehungen untereinander aus, wobei in vielen Fällen
die gemischte Technik bevorzugt wird. Die Ausstellung Volumen I
gibt den Anstoss, diese neue Sensibilität auszudrücken. José Bedia
und Ricardo Rodríguez Brey sind auf der Suche nach den Wurzeln ihrer
einheimischen Kultur; José Toirac, Juan Ballester, Tanya Angulo
und Ileana Villazón denken über die Kunst nach. Rubén Torres Llorca
und ebenso Flabio Garciandía beziehen sich auf die Volkskunst und
ihren Zusammenhang mit der Politik; Lázaro Saavedra behandelt mit
einer grossen Dosis Humor die Ideologie, die Kunst und die Religion;
Reynerio Tamayo verfolgt die gleiche Linie, indem er den Humor auf
die Kritik anwendet und Ciro Quintana übt mittels des Cubanischen
Coimcs Kritik. Carlos Rodríguez Cárdenas behandelt Themen,die problematisch
in ihrem zeitgenössischen Kontext wirken: der Tourismus, die Auswanderung,
die Mystifizierung politischer Elemente; Glexis Novoa schafft bildnerische
Werke und Installationen, welche auf die von der politischen Propaganda
hochgehaltenen Werte anspielen, René Francisco und Eduardo Ponjuán
drücken die Leere der Postulate des sozialistischen Realismus aus.
Humberto Castro, Gustavo Acosta, Segundo Planes, Ana Alberina Delgado,
Lázaro García , Félix Suazo, Leandro Soto, Arturo Cuenca, Luis Gómez,
Gustavo Pérez Monzón und Consuelo Castañeda, sind nur einige Namen
einer langen Liste, die seit diesen Jahren auf die Verschiedenheit
des Panoramas der gegenwärtigen Cubanischen Plastik hinweist und
auf die Schwierigkeit, allgemeine Merkmale zu finden, ausser jenem
der eigentlichen Verschiedenheit.
Die Emanzipation der 80-er Jahre
Die Emanzipation war in den
achtziger Jahren in Hinsicht auf kollektive Ansätze erforscht und
angekündigt worden. In der gegenwärtigen Dekade ist es schwierig
zu gruppieren, eben weil es die Zeit des Individualismus und Sujektivismus
ist. Die Freimütigkeit und Flexibilität der Macht ermöglicht die
Vielfalt. Die Generation der siebziger Jahre ist weiterhin latent
und zusammen mit den Namhaften tritt eine ganze Reihe junger Künstler
auf; unter welche zu zählen sind: Pedro Alvarez mit seiner Betrachtung
über die Eroberung und seine Inselwelt; Sandra Ramos mit ihrer Poetik
über das Exil; Fernando Rodríguez, der polychromatisches Holz bearbeitet,
um Sprecher des blinden Künstlers Franciso de la Cal zu sein; Osvaldo
Yero und seine Symbole in vielfarbigem Gips, sowie Esterio Segura
mit seinen Skulpturen – Altäre, wo Bilder aller Art Gattungen und
Charaktere, mit Zeichnungen und Metallstichen abwechselnd, zusammentreffen.
Douglas Pérez, Aimee García, Rubén Alpízar, Elsa Mora und viele
andere, und in alternativer Stellung eine noch längere Liste von
noch grösserer Verschiedenheit an Ausdrucksformen, heben Auffassungen
hervor, die das Prestige der Plastik in Cuba behaupten. Es besteht
sogar die Gefahr, dass bei Namensnennung einiger, andere durch Ausschliessen
sich verletzt fühlen. Als sich die Wende zur ästhetizistischen Malerei
konsolidierte, - das beste Beispiel dafür sind Los Carpinteros,
- ohne aber den ganzen Geist der Installationen, des Post-Konzeptualismus
und der "kurzlebigen Kunst", der die achtziger Jahre charakterisierte,
und anderen Ballast vergangener Dekaden völlig zu verdrängen, verschmelzen
einige Formen dieser Epoche.
Roberto
Fabelo: Sireno en el muro del malecon, 1998 |
In den vorhergegangenen
Jahren übernahm die postmodernistische Sprache von der Moderne den
Willen der Avantgarde, die Gesellschaft mittels der Kunst zu wandeln.
Aber heute ist diese beissende und verletzende Kritik durch Ironie,
durch das Pastieren, durch die Indirektheit; durch eine Sprache
voll konzeptueller und formeller Scharfsinnigkeiten abgeklärt. In
der Grafik, in der seit einigen Jahren die Figur Belkis Ayóns herausragt,
kommt heute das Beispiel Abel Barrosos hinzu, Neuerer in der Verwendung
des Holzklotzes als Träger und das Zweidimensionale durchbrechend,
indem er Objekte konstruiert, über denen Slogans der Cubanischen
Wirklichkeit kreisen, und dabei am Ende eine Pracht ankündigend,
die in grossem Masse durch die Möglichkeiten hervorgerufen wird,
welche die Existenz der experimentellen Werkstätten bieten.
Die Malerei im Exil
Die Geschichte der Cubanischen
Malerei wäre unvollständig, wenn man die Malerei im Exil ausschliesst,
deren hauptsächliche Zentren in den USA und Paris zu finden sind.
Es handelt sich sowohl um die Produktion der alten ausgereisten
Meister (Mario Carreño, Cundo Bermúdez, Agustín Fernández, Jorge
Camacho, Joaquín Ferrer, Gina Pellón…) als auch um jene von Arte
Calle der achtziger Jahre, die sogenannte Generation aus Mariel
und andere (Tomás Esson, Luis Cruz Asazeta, Miguel Padura, Vicente
Domínguez, Heriberto Mora , Juan Carlos García Lubín), die ihre
Werke den Markterfordernissen anpassen mussten. Auch die in Mexiko,
Paris oder Madrid lebenden und nach dem Fall der Berliner Mauer
nach Miami reisten (Torres, Llorca, Aldo Menéndez, José Bedia, Arturo
Cuenca, Tomás Sánchez), und jene Generationen, die im Ausland ausgebildet
werden (Mario Bencomo, María Breto, Arturo Rodríguez, Juan González
und Hernán García von der Generation aus Miami). Von all ihnen kennen
wir ihr Werden und ihre Entwicklung nicht.
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