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Ausgabe vom

Route1: Tabakhaine: Pinar del Río und Valle de Viñales

Wer denkt, der Tabak einer echten Havanna wächst auch in der kubanischen Hauptstadt, ist auf dem Holzweg. Denn die Zigarren heißen nur so, weil sie da gerollt und verschickt werden. Kubas Tabakanbaugebiet Nummer Eins liegt aber im Tal von Pinar del Río, wo sich die Gebirgszüge der Sierra del Rosario und der Sierra de los Organos treffen.
So lebendig Havanna erscheint, so verschlafen wirkt das Städtchen Pinar del Río mit seinen grün, blau und rosa gestrichenen Häuschen. Im nahen Tal von Viñales entdeckt der Wanderer Tabakplantagen auf zerklüftetem Karstgestein. Westlich des Dorfes Viñales können sich Höhlenforscher durch die sieben verschiedenen Ebenen der Cueva de Santo Tomás tasten.

>> Vinales-Tal
>> Soroa
>> Pinar del Rio
>> Isla de la Juventud
>> Cayo Largo

>> Hotels, Restaurants, Einkaufen


Das Tal von Vinales
Von Pinar del Río aus führt eine kleine Landstraße über Aguas Claras in das 27 km entfernte Tal von Viñales. Hier wächst der legendäre, grün-silbrig schimmernde Tabak auf flachen Feldern zwischen steilaufragenden, schroffen Kegelfelsen, den mogotes. Diese mogotes sind die älteste geologische Formation Cubas: Sie entstanden vor 150 Mio. Jahren. Die Landschaft scheint einer chinesischen Tuschezeichnung entsprungen, und bei getrübtem Wetter oder bei einem heftigen Regenguß kann man ein natürliches Schauspiel beobachten; dann sieht es so aus, als hätten die Mogotes, die jetzt verstreuten Fingern gleichen, sich die Wolken gekrallt und zu sich heruntergezogen, um sich darin einzuhüllen. Nach dem Regen, wenn die Sonne wieder unerbittlich auf das Tabaktal brennt, dampfen die kleinen, palmgedeckten Holzhäuser der Tabakbauern, als hätte man sie gerade aus einem heißen Wäschetrockner gezogen, ebenso wie die Felsenkegel und der Boden.

Die Tabakpflanzen bekommt man jedoch nur zwischen der Aussaat etwa Ende Oktober (die Regenzeit muß zu Ende sein) und der Ernte zu sehen, die zwischen Januar und März durchgeführt wird. Während der Sommermonate werden auf den rot schimmernden Feldern Boniato, Malanga, Mais oder Bananen angepflanzt.

Je näher man dem Tal von Viñales kommt, desto häufiger sieht man kleine fensterlose Schuppen mit einem Dach aus Palmstroh oder aus Blech. Das sind die casas de tabaco, die Trockenschuppen für den Tabak. Die Tabakballen kochen tagsüber in ihrem eigenen Hitzedunst, sie schwitzen ihre Feuchtigkeit aus, und dafür kann es in der casa de tabaco gar nicht heiß genug sein. Genau in dem Maße, wie sie ihre Feuchtigkeit verlieren, müssen sie immer höher unter das Dach gehängt werden. Später werden die Blätter befeuchtet und dreimal fermentiert, um eine gleichmäßige Qualität und Färbung zu erzielen. Allein die erste Fermentation, bei der die Tabakblätter mit Palmblättern abgedeckt werden, dauert zwei Monate. Insgesamt kann die Fermentation bei einigen Tabaksorten bis zu drei Jahren dauern.

Das hinreißende Herzstück der Provinz ist Viñales. Das verträumtes Dörflein steht vor dem Hintergrund der Sierra de los Organos, die sich wie Orgelpfeifen am Talende aufrichten. 80 Prozent des kubanischen Tabaks kommen aus der Gegend von Pinar del Río, ein großer Teil aus diesem Tal. "Havannas" heißen die Zigarren nur, weil sie in der Hauptstadt gerollt werden.

Sehenswertes in der Nähe von Viñales Cueva de Santo Tomás, hinter dem Dorf Moncada westlich von Viñales, kleine Führung 8 $, große Tour (halber Tag) 17 $, tägl. ab 8 Uhr. Vermutlich stecke in jedem der karstigen mogotes eine Höhle, sagen die Leute von Viñales.
Die Cueva de Santo Tomás ist wohl eine der größten. Diverse Räume hängen über 48 Kilometer zusammen und breiten sich auf sieben verschiedenen Ebenen aus. Die Untergrundgalerien tragen Namen wie »Salón del Caos« (Chaos-Salon), »Increíble« (Unglaublich) oder »Tinieblas« (Dunkelheit). Man braucht gute Schuhe und feste Kleidung.

Cueva del Indio, 8 km nördlich von Viñales, Führungen von 9-17 Uhr, Eintritt 3 $. Reichlich touristisch und nicht spektakulär, selbst wenn man den Höhlenfluß mit dem Boot befährt (trotzdem gute, rutschfeste Schuhe anziehen). Im Fluß leben Krabben, die man später fangfrisch im Restaurant nebenan verspeisen kann.

ueva de San Miguel, kurz vor der Cueva del Indio auf der linken Seite der Hauptstraße, Eintritt 1 $. Am schönsten ist die Bar in der Eingangskuppel (24 Stunden geöffnet). Von da aus geht es quer durch den Berg auf die Rückseite, wo sich ein Museum über das Leben der entlaufenen Sklaven (cimarrones) und ein mit afrokubanischen Symbolen geschmücktes Restaurant befinden - ein etwas unglückliches Beispiel dafür, wie sich die Leiden der Sklaven vermarkten lassen.

Mural de la Prehistoriaam Mogote Dos Hermanas, an der Straße zwischen Viñales und Moncada, ausgeschildert. Riesenwandmalerei auf der Außenseite des Berges, die die Entwicklung von der Molluske bis zum Homo sapiens darstellt. Lebenswerk des kubanischen Malers Leovigildo González Morillo. Im Restaurant kreolische Küche.

Despalillo de tabaco, 1 km außerhalb von Viñales auf dem Weg nach Pinar del Río, auf der rechten Seite, Führungen Mo-Fr 7-16.30 Uhr, Eintritt 2 $. Kleine Tabakfabrik. Die Arbeiter sortieren die Blätter nach ihrer Qualität und Farbe. Der Geruch macht süchtig.

San Luis, etwa 25 km südwestlich von Piñar del Río links von der Carretera Panamericana. Ein Nachbartal von Viñales, das sich mit dem Tal am Río Cuyaguateje um den Ruf streitet, den besten Tabak Kubas zu erzeugen. Pittoreske Landschaft mit strohgedeckten Trockenhäusern, aus denen der Geruch fermentierenden Tabaks dringt.



        Soroa

Der Wasserfall in Soroa

In den Ausläufern der üppigen Sierra del Rosario, sechs Kilometer nördlich der autopista und etwa 70 Kilometer südwestlich von Havanna , ist dieser kleine Badeort einen einstündigen Abstecher auf der Fahrt zwischen Pinar del Rio und der Hauptstadt wert. Ein 500 Meter langer Weg führt dursch den Dschungel zu einem wunderschönen, 20 Meter hohen Wasserfall, an dessen Grund ein zum Baden ausreichend tiefer Teich liegt.

Die Kubaner pflanzen pro Jahr rund 500 Millionen Bäume, wenn man den offiziellen Statistiken glauben darf.
Aus einem solchen Wiederaufforstungsprogramm entstand 1971 die Modellsiedlung. Mitten in den grünen Hügeln des Biosphärenreservats Sierra del Rosario, das unter Unesco-Schutz steht, liegen an einem See die hellblau, rot und weiß gestrichenen Häuser des Dorfes, das so proper ist, daß man fast das Gefühl hat, überall, nur nicht auf Kuba zu sein. Besonders sehenswert ist der Orchideengarten, etwas oberhalb des Ortes Soroa, (Führung 8-12 und 12.30-16 Uhr, Eintritt 3 $) mit über 350 verschiedene Orchideen und 11000 Zierpflanzen. Nach der Führung (20 Minuten) kann man im Park gegenüber spazierengehen.


Pinar del Rio
Das Tabakland im Westen ist der älteste Teil Kubas. Er stieg einst als erster Teil der Insel aus dem Meer empor. Flüsse gruben Täler und nagten so lange an den Karsthügeln, bis sie sie durchqueren konnten. Ergebnis ihrer zähen Arbeit: eine vielfältige Buckellandschaft, wie man sie eher in China als in der Karibik vermuten würde. Das fast menschenleere Biosphärenreservat am Westzipfel Kubas ist sehr schwer zu erreichen. In der Bahía de Corrientes liegt der Strand María la Gorda, zu deutsch die dicke Maria, benannt nach einer voluminösen Venezolanerin, die sich einst den Piraten hingab.

Hauptstrasse von Pinar del Rio

Die verschlafene Provinzhauptstadt Pinar del Río mit ihren blau, rosa und grün getünchten niedrigen Häusern kennt keine Eile. Hier wird die Zeit noch in Zügen an der Zigarre gemessen.
Südlich des westlichen Endes der Hauptstrasse, an der Calle Maceo 157 ist eine kleine Zigarrenfabrik, die zu den interessantesten Cubas zählt. Hier werden nur vegueros, die groben, nicht für den Export bestimmten Zigarren, hergestellt. Man erhält sie ausschliesslich in ausgewählten Zigarrenläden.



Isla de la Juventud
Die Isla de la Juventud war seit ihrer Entdeckung 1494 ein Refugium für Piraten und entlaufene Sklaven, später wurde sie als Gefängnisinsel benutzt. Es heißt, sie sei außerdem die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. Früher hieß sie wegen der zahlreichen Pinienwälder »Isla de Pinos«, und ihr Namenwechsel ist der Tatsache zu verdanken, daß die Insel nach 1959 systematisch zu einer »Schulinsel« umstrukturiert wurde. Die meisten Schulen wurden seit Beginn der Spezialperiode 1990 jedoch geschlossen, da sich die Versorgung als zu schwierig herausstellte.

Heute ist die Isla de la Juventud ein Freizeitparadies. Im Hafen Nueva Gerona liegt neben vielen anderen Booten auch die »Coral Negro«, die ehemalige Staatsyacht von Fidel Castro. Für 200 Dollar pro Tag kann man sie chartern.
Es gibt aber auch weniger kostspielige Möglichkeiten, die einmalige Unterwasserwelt etwa vor dem Cabo Francés zu erforschen. Unzählige Höhlen und Schluchten bilden ein Tauchrevier, in dem sich alle nur denkbaren Fischarten und Meerestiere tummeln.
Taucher wohnen im Hotel Colony und fahren mit dem Boot zu einem Platz am Cabo Frances, der südwestlichen Spitze der Insel. Nicht am Tauchen interessierte können den Tag am schönen Strand der Spitze verbringen. Die Qualität der über 50 Tauchplätze mit u.a. einer senkrechten Korallenwände sowie Höhlen und Schiffswracks ist so gross, dass hier internationale Wettbewerbe für Unterwasserfotografie stattfinden. Angeboten werden Tauchkurse, auch bei Nacht, und eine Kompressionskammer.

Cayo Largo
Diese Urlaubsinsel besitzt traumhafte Strände und ein verführerisches blaues Meer. Mit über 23 Kilometer Breite ist sie etwas eintönig, dafür entschädigt der durchgehende Strand. Der Grossteil der Insel wirkt unberührt mit nur sechs Hotelanlagen, in denen hauptsächlich kanadische und italienische Urlauber wohnen. Cayo Largo ist ideal für einen ungestörten Strandurlaub. Oben-ohne und Nacktbaden wird toleriert. Wenn Sie aber etwas über Cuba erfahren wollen, lohnt es sich nicht, hierher zu kommen. Die Hotels bieten zwar Leihwagen und -motorräder an, aber es gibt kein Ausflugsziel ausser einem unberührten Sandstrand und die Playa Tortuga am östlichen Zipfel der Insel, wo grüne Schildkröten ihre Eier legen.


Hotels

Hotel Pinar del Río
Pinar del Río, Calle Martí am Ortsende kurz vor der Autobahnauffahrt, Tel. 082-5070/1/2/3, DZ ohne Frühstück 32 $. Schachtelbau, 1979 gebaut. Eine Notlösung, aber das Beste, was Pinar zu bieten hat.

Hotel Globo Pinar del Río
Calle Martí 57, Tel. 082-4268, kein Fax, DZ ohne Frühstück 27 $. Maurisch angehauchtes, etwas heruntergekommenes Mittelklassehotel. María la Gorda, am Strand Bahía de Corrientes, Tel. 084-3121, DZ 30 $. Einziges Quartier weit und breit. Das Tauchzentrum bietet viele unterschiedliche Exkursionen zu den vorgelagerten Riffen und spanischen Wracks an, die das Meer hier verschlungen hat. Außerdem: Ausflüge in die Natur.

Hotel Moka
Las Terrazas, zur Siedlung gehörig, aber mitten im Tropenwald gelegen, Tel. 085-2996, Fax 335516, DZ ohne Frühstück 82 $. Umgeben von Teichen, murmelnden Bächen und blühenden Sträuchern. Reservierung empfiehlt sich. Das Hotel hält Pferde, Motor- und Fahrräder bereit und bietet Bio-Trips in den Wald an.

La Ermita
Viñales, in der Dorfmitte rechts ab Richtung El Naranjo, Tel. 08-936071, Fax 936091, DZ ohne Frühstück 43 $. Säulenbungalows um den Pool mit Blick auf das Tal und die Mogotes.

Los Jazminez
vier Kilometer südlich von Viñales an der Straße nach Pinar del Río, Tel. 08-33404, Fax 07-335042, DZ ohne Frühstück 48 $. Zwei dreistöckige klassische Bauten mit schmiedeeisernen Balkonen und viel Buntglas. Phantastischer Ausblick auf Tabakfelder und -hütten im Tal. Rechtzeitig buchen.


Restaurants


Rumayor
Pinar del Río, an der Straße nach Viñales, Di-So ab 23 Uhr Shows mit Tänzern und Trommlern, Eintritt 5 $ Der 73jährige Yoyo bereitet nach eigenem Rezept sein "pollo ahumado" zu. Das Huhn erhält zuerst einmal Injektionen einer Salz-Zucker-Lösung, dann schmort es drei Stunden über glühender Holzkohle. Die Portion kostet zwischen drei und fünf Dollar.

Castillo de las Nubes
Las Terrazas, kurz hinter dem Ort Soroa, 10-17 Uhr. Sieht aus wie ein mittelalterliches Castillo und heißt entsprechend der Lage hoch über der Ebene von Soroa "Wolkenschloß". Es gibt Schweinesteak, Huhn und Spareribs. Für die Anfahrt empfiehlt sich übrigens nicht der direkte Weg von Las Terrazas. Die Straße ist zu schlecht. Besser zurück ins Tal zur Autobahn und den Abzweig Richtung Soroa hinauf in die Berge nehmen.

Casa del Veguero
2 km südlich von Viñales. Der Chef heißt Nino; er zeigt gern auch den Trockenschuppen für seinen Tabak. Als erster auf Kuba hat er es auf zwei Ernten in einem Jahr gebracht, und darauf ist er ziemlich stolz.

Valle-Bar
Viñales, Salvador Cisueros 106, in der Hauptstraße des Dorfes. Im Paladar kann man ebenfalls essen, gedacht ist er aber eher als nächtliches Zentrum mit Live-Musik.


Einkaufen

Zigarrenfabrik Francisco Donatien
Pinar del Río, Maceo 157, Mo-Fr 7.30-12 Uhr, Sa bis 11.30 Uhr, Eintritt 2 $. Führungen und Verkauf von Zigarren, zum Beispiel "Montecristo Especial No. 2" für 103 $.

Likörfabrik Casa Garay Isabel Rubio
Pinar del Río, gegenüber der Abzweigung Primero de Enero, Mo-Fr 7.30-16.30 Uhr, Eintritt 2 $. Hier wird nach 200 Jahre alten Rezepten der Guayabita del Pinar aus der Guavafrucht (die nur hier wächst) gebraut.