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Ausgabe vom

Die Geschichte des Bacardi Rum

Ort: Cuba. Zeit: Der Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein spanischer Weinhändler namens Don Facundo Bacardi Massó wandert aus Katalonien in die schmucke Kolonialstadt Santiago de Cuba aus. Zu dieser Zeit war Rum ein heftiges Getränk, das wie Feuer brannte - kräftig, ohne jede Verfeinerung und in der Regel billig zusammengebrannt. Ein Feuerwasser, das seit alters her vor allem für die karibischen Freibeuter bestimmt war. So gut wie nie wurde Rum in halbwegs zivilisierten Kreisen oder besseren Lokalitäten ausgeschenkt.

don Facundo Bacardi Massó

In seiner Freizeit experimentierte Don Facundo bei sich zu Hause selbst ein wenig mit verschiedenen Destilliermethoden. Sein Ziel: Den Rum zu zähmen, zu zivilisieren, trinkbar zu machen.
Don Facundo experimentierte mit jedem einzelnen Schritt des Herstellungsprozesses: Der Qualität der Rohmaterialien, der Fermentierung und der Destillierung. Am Ende fügte er ein Verfahren hinzu, das noch nie zuvor probiert worden war: den Rum durch Holzkohlen-Filterung sanft zu machen, indem alle Unreinheiten beim Filtrationsprozeß entfernt wurden. Er setzte seine Versuche mit gesteuerten Reifungsprozessen in Eichenfässern und speziellen Abstimmungstechniken fort. Dabei legte er seine Arbeit wie ein Wissenschaftler schriftlich nieder und beurteilte - als erfahrener Weinkenner - die Resultate so kritisch wie ein Gourmet. Zum Schluß gelang es ihm tatsächlich, genau das feine Getränk zu entwickeln, das ihm immer vorgeschwebt hatte und seinen hohen Qualitätsstandards entsprach. Sein Rum war viel weicher und raffinierter als alle anderen. Im direkten Vergleich erschienen alle Konkurrenzprodukte viel schwerer und medizinartig. Don Facundos verblüffend trinkbarer, neuer, leichter Rum und seine dunklen, gehaltvollen und gereiften Sipping Rums waren anders und besser als jedes andere alkoholische Getränk, das er je probiert hatte.

Destillerie

Um seinen Rum einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen - und nicht nur seinen begeisterten Freunden und Nachbarn -, kaufte er eine kleine, wellblechgedeckte Destillerie mit einem Destillierkolben aus Kupfer und Schmiedeeisen (spanisch "alambique"). Im Gebälk dieser ersten Destillerie lebte eine Kolonie von Fruchtfledermäusen. Diese Tiere hielt man allgemein für ein Zeichen von Glück und Geschick. Darum ließ man sie nicht nur bleiben, sondern spannte sie sogar als das neue Markenzeichen von BACARDI ein. Am 4. Februar 1862 wurde die "Bacardi y Compañía" gegründet. Nicht lange, und ihre Erzeugnisse würden Könige, Genießer und unabhängige Köpfe rund um die Welt begeistern. Don Facundo hatte den Rum an sich nicht nur auf alle Zeiten völlig verändert, sondern auch die Meinung der Menschen über dieses Getränk. Dadurch, daß er nicht nur die Qualität des eigentlichen Erzeugnisses, sondern auch die Wertschätzung seines Images so erheblich gesteigert hatte, war ein ganz neuer Rum geboren.

Eine der ersten Zeitungsanzeigen von Bacardi Rum

Das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war für die Familie Bacardi auch das dramatischste. Wegen antikolonialer Aktivitäten wurde Emilio Bacardi nach Spanisch Nordafrika ins Exil geschickt, während sein ältester Sohn als Unabhängigkeitskämpfer in der Rebellenarmee kämpfte. Seine Brüder Facundo, José und sein Stiefbruder Henri Schueg blieben mit der schwierigen Aufgabe, die Firma unbeschadet durch die Kriegsjahre zu führen, in Cuba zurück. Während die Frauen der Familie in Kingston auf Jamaica Schutz suchten, schied Doña Amalia aus der Welt und beendete damit die Ära der Gründergeneration.

Zeitungsanzeige von 1943, vom Kriegsgeschehen inspiriert

Nach der Revolution wurde Bacardis gesamter Besitz verstaatlicht.
Das Patent in der Tasche, musste seine Familie nach Puerto Rico fliehen, wo sie wieder von vorne anfingen. Die Cubaner übernahmen seine Fabriken, nannten ihr Erzeugnis aber nun „Habana Club“, eine Marke, die schon seit einiger Zeit auf dem Markt war.
Richtig erfolgreich wurde der Rum allerdings erst mit Hilfe der Amerikaner, die um 1870 das künstlich hergestellte Eis erfanden.

Damit war der Rum nicht mehr aufzuhalten. Verschiedene Cocktails wurden kreiert, darunter der Mojito und Daiquiri, denen schon Hemingway verfallen war.

Die staatliche Rumfabrik in Cagney stellt momentan jährlich 9 Millionen Liter Rum her, wovon lediglich 20% im Land bleiben.