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Ausgabe vom

Rum: Das Getränk Cubas >> Drinks

Cuba Libre
Der populärste Longdrink der Welt wurde ausgerechnet während eines Konflikts zwischen den USA und Spanien geboren. Es geschah während des Spanisch-Amerikanischen Krieges um die Jahrhundertwende, als der spätere US-Präsident Teddy Roosevelt, die Rough Riders - Kavallerie und allgemein eine große Anzahl US-Amerikaner auf Cuba eintrafen.

Cuba. Cuba libreCuba Libre

Eines schönen Nachmittags hatte sich eine Gruppe von Soldaten der US Army-Nachrichtentruppe außer Dienst in einer Bar in der Altstadt von Havanna versammelt. Fausto Rodriguez, damals ein junger Kurier, erinnerte sich später, daß ein Hauptmann zur Tür herein kam und Bacardi Rum mit Coca Cola auf Eis mit einer Zitronenscheibe orderte. Der Offizier trank diese Kombination mit derart offensichtlichem Genuß, daß die anderen Soldaten neugierig wurden. Also ließen sie den Bartender eine Runde des Offiziers-Drinks zubereiten. Als sie eine weitere Runde bestellten, machte einer der Soldaten den Vorschlag, einen Trinkspruch auszubringen. "Por Cuba Libre! Auf das freie Cuba!" - zur Feier der gerade gewonnenen cubanischen Unabhängigkeit. Sogleich erhob der Hauptmann Glas und Stimme und ließ den Schlachtruf ertönen, der die siegreichen Cubaner in ihrem Unabhängigkeitskrieg angetrieben hatte.
"¡Cuba Libre!" rief er, "¡Cuba Libre!" Die Antwort der anderen kam zurück wie aus einer Kehle: "¡Cuba Libre!" Von diesem Augenblick an wurde der ehemalige Schlachtruf, der nunmehr synonym mit der Mischung Rum und Coke war, zum Inbegriff von Glück und Kameradschaft. Die Nachricht von der Verbindung von Bacardi Rum und Coca Cola, dem Cuba Libre, verbreitete sich schnell. Obwohl Bacardi Rum und Coca Cola den Globus auf getrennten Wegen eroberten, wurde die Kombination der beiden schnell zum populärsten Cocktail der Welt.


Daiquiri
Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg war es ein amerikanischer Bergbauingenieur, den Cubas sengende Karibiksonne zu einer ganz neuen Erfrischung inspirierte. Jennings S. Cox führte eine Gruppe amerikanischer Ingenieure an, die im Bergbau nahe der kleinen cubanischen Ortschaft Daiquirí tätig waren. Die Arbeitstage unter der - wie gesagt - sengenden karibischen Sonne waren heiß und verschwitzt, Annehmlichkeiten selten. Um die Leute in dieser Umgebung sozusagen bei der Stange zu halten, zahlte man fürstliche Gehälter, dazu gab es freie Unterkunft, Zigarren umsonst und - vielleicht die zugkräftigste Dreingabe von allen - eine Gallone (ca. 4 l) Bacardi.

Cuba. DaiquiriDaiquiri

Cox war zwar der Ausbildung nach Ingenieur. Weiterhin war er jedoch ein geborener Tüftler, der alles einmal ausprobieren und vermischen mußte. Voller Enthusiasmus experimentierte er stundenlang mit einheimischen Zutaten und Rum, um einen Cocktail zu kreieren, der ihn nach einem langen Arbeitstag in den Minen von Daiquiri wieder aufbauen würde. Eines Nachts verkündete Cox seinen Kollegen, daß er es endlich geschafft hätte. Er zeigte ihnen, wie man frischen Limonensaft, Zucker, zerstoßenes Eis und Rum in einem Cocktail-Shaker zu einem neuen, coolen und erfrischenden Getränk verbinden konnte. Gleich die erste Runde war ein durchschlagender Erfolg, und die zweite Runde bestätigte ihn noch. Der Cocktail war nicht nur umwerfend köstlich, sondern darüber hinaus sehr mild und unglaublich erfrischend.

Cuba. Daiquiri-RezeptDas Original-Rezept

Einige Zeit später gönnten sich Cox und seine Männer eine Runde ihres neuen Cocktails in der Bar des Hotels "Venus" im nahegelegenen Santiago de Cuba. Plötzlich rief Cox: "Jetzt trinken wir diese köstliche Mischung schon ziemlich lange. Sollten wir ihr nicht endlich einen Namen verpassen?" Die anderen stimmten zu. Nach einer Minute nachdenklichen Schweigens erhob wiederum Cox die Stimme: "Ich hab´s! Wir nennen sie ‚Daiquiri', im Angedenken an die Minen!" Über Nacht wurde der Daiquirí zur Sensation. Wo auch immer Cox hinkam, verteilte er Exemplare seines Rezeptes, um den Barkeepern beizubringen, wie man ihn mixt. Es dauerte nicht lange, bis Barkeeper überall auf der Insel Daiquiris nicht nur zubereiteten, sondern selber Variationen erfanden - gefrorene Daiquirís, andere fruchtsaftbasierte Daiquirís und mildere Daiquirís mit den dunklereren, gehaltvolleren, gereiften Rum-Sorten.

Bevor die elektrischen Rührgeräte erfunden waren, mixte man einen Daiquirí so:
6 cl Light-Dry
1 Teelöffel Zucker
Saft von zwei Limonen
Zerstoßenes Eis
Im Shaker kräftig schütteln und in ein Glas abseihen.


Mojito
Gemeinsam mit den endlosen Zuckerrohrplantagen und den langen Reihen des edlen Tabaks reifte ein weiterer, "Mojito" genannter Drink im Herzen Cubas heran und gewann die Herzen seiner Bewohner. Er wurde ursprünglich "Draque" genannt. Etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts, zur gleichen Zeit, als Don Facundo Bacardi seinen holzkohlengefilterten Rum entwickelte, wurde das ursprüngliche "Draque"-Rezept abgeändert. Weil man ihn nun mit Rum mixte, bekam er auch einen neuen Namen - Mojito. Und als solcher wurde er geradezu eine nationale Leidenschaft der Cubaner: Um die Mitte der Zwanziger Jahre war er so etwas wie das inoffizielle Nationalgetränk Cubas.

Cuba. MojitoMojito

Einen richtigen Mojito macht man mit zerdrückten Minzeblättern (Puristen bestehen darauf, daß man eigentlich nur die cubanische Wildminze Yerbabuena verwenden dürfte), Zucker, Limonensaft, Sodawasser und Light-Dry. Serviert wird er in einem hohen Cocktailglas, so daß seine klare Farbe und sein leicht süßer, leicht herber Geschmack voll zum Tragen kommen. Es gibt auch einen Mojito ohne Zucker, der exklusiv für Ernest Hemingway erfunden wurde - der Mann konnte keinen Rohzucker vertragen. Anstelle dessen wird dieser Mojito mit einem cubanischen Kirschlikör namens Gustos Maracino und einem Schuß Grapefruit-Saft gemacht. So kommt ein sehr geschmackvoller, weicherer Mojito zustande. Im Gegensatz zum distinguierten Daiquirí war der Mojito immer der Drink für jeden, egal, ob alt oder jung, arm oder reich. In gewisser Weise gehörte es für einen Cubaner zum guten Ton, Mojito zu trinken. Die Art und Weise der richtigen Zubereitung sorgt jedenfalls auf Cuba immer noch für leidenschaftliche Diskussionen unter Kennern. Gegenwärtig erlebt der Mojito eine Art Renaissance in Europa und auf der Welt. Obwohl er eigentlich der älteste cubanische Cocktail ist, hat er bis heute nichts von seinem Reiz verloren.