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Internet-Reiseführer
"Cuba erleben". Herausgeber: Web Travel Guide
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Ausgabe
vom
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Cubanische Zigarren: Die Herstellung
Pflanze
Die Tabakpflanze gehört zu der Familie der Nachtschattengewächse
wie Kartoffeln Oder Tomaten.
Im Gegensatz zu Getreide kann der Tabak nicht direkt auf die Felder
ausgesät werden, sondern muss sich jedes Jahr aus Samen neu entwickeln.
Grund dafür ist, dass der Samen viel zu klein ist. Ca. 10000
Samenkörner wiegen ein Gramm. Die Aussaat erfolgt deshalb nach
dem Winter in sorgfaltig vorbereitete Treibbeete. Die Schösslinge
werden anschliessend aufs Feld verpflanzt, wo sie je nach Stand der
Pflanzen nach 150 bis 170 Tagen geerntet werden.
Sobald die Blüten erscheinen, werden diese geköpft, um die
Nährstoffzufuhr zu den Blättern zu verbessern. Die neu austreibenden
Seitentriebe werden ebenfalls entfernt. Man nennt dies geizen. Zusätzlich
müssen noch am Grunde der Pflanze die kranken und kleinen Blätter
entfernt werden.
Gesät wird im September, Oktober, die Stecklinge werden im November
gesetzt. Die Pflanzungen sind mit Gazetüchern überspannt, um das Nachtschattengewächs
vor den starken Sonnenstrahlen, Unwettern und Insekten zu schützen.
Im Gegensatz zu anderen tropischen Pflanzen benötigt der Tabak die
schier grenzenlose Zuwendung des Menschen. Ein cubanisches Sprichwort
sagt, Tabak könne man nicht einfach pflanzen, man müsse ihn heiraten.
Tabakpflanzen |
Ernte
Man spricht bei den Tabakpflanzen von Stockwerken. Unten befindet
sich das Edelgut, die Fuss- und Sandblätter. Im nächsten
Stockwerk finden wir das Hauptgut oder das Bestgut und zuoberst das
Kopfgut oder auch Fettgut genannt. Die Tabakblätter werden an
Schnüren aufgebunden und zum Trocknen in spezielle Tabakhäuser
gehängt. Eine chemische Umwandlung des Tabakblattes erfolgt.
Die Blätter werden gelb. Wichtig bei der Trocknung ist, dass
die Zellen noch genug Feuchtigkeit aufweisen und nicht absterben.
Dieser Prozess dauert ca. 40 Tage, heute wird dieser Prozess z.T.
auch künstlich abgewickelt.
Fermentation
Bei der Fermentation wird durch natürliche oder künstliche
Wärme ein Gärungsprozess vollzogen, bei dem die Eiweissstoffe
abgebaut und die Aroma- und Farbstoffe entwickelt werden. (Das Bittere
des Tabakblattes baut sich ebenfalls ab.) Je nach Trockenheit der
Blätter wird für die Fermentation auch nochmals Feuchtigkeit
dazugegeben.
Nach dieser ersten Fermentation erfolgt eine Klassifizierung der Blätter.
Die Blätter werden nach ihren Eigenschaften qualifiziert. Dabei
gelten folgende Kriterien:
- Vollständigkeit
- allgemeiner Zustand
- Reifegrad, Starke
- Wiederstandskraft
- Elastizität des Gewebes
Zwischen oder nach der Fermentation werden die Tabakblätter ausgerippt
(Stripperinnen). Die Hauptrippe wird teilweise oder ganz entfernt,
d.h. das Blatt ist tot. Dieser Vorgang ist für die Fabrikation
wichtig, da mit der Rippe das Blatt nicht gerollt werden könnte.
Die Blätter werden nun lose oder bündelweise in Ballen zu
ca. 16000 Blättern verpackt und je nach Qualität zur weiteren
Verarbeitung verschickt. Tabak wird je nach Resultat der Ernte bis
zu 2 Jahren gelagert, um die Qualität noch zu verbessern.
Arbeiter
bei der Tabackernte |
Fabrikation
Nach Abschluss der Fermentation findet der schwierigste Prozess für
das Herstellen einer Zigarre statt, nämlich das Mischen. Nur
ein ganz grosser erfahrener Spezialist bringt es fertig, Tabakblätter
von verschiedenen Klassen, Sorten und aus unterschiedlichen Tabakplantagen
und Ernten die richtige Mischung und das feine Aroma zu finden.
Das Rollen einer Zigarre
Zwei bis vier Tabakblätter werden je nach Format von Hand über
die gesamte Länge kegelartig übereinandergefaltet. So entstehen
Luftkanäle im Inneren, die den gleichmäßigen Zug der
Zigarre garantieren.
Als nächstes wird diese Einlage in die Hälfte eines Umblatts
eingewickelt, bei grösseren Formaten in zwei Hälften. Die
so entstandene Puppe oder Wickel wird nun in einer hölzerne Form
gepresst.
Der Zigarrenmacher entnimmt nun eines der feuchtgehaltenen Deckblätter,
breitet es auf dem Schneidebrett aus, dehnt es und schneidet die Ränder
zu. Die Puppe wird nun schräg auf das Deckblatt gelegt und vorsichtig
umwickelt.
Im nächsten Arbeitsgang wird aus einem Deckblattrest ein rundes
Stückchen ausgeschnitten und auf dem Kopf der Zigarre mit einem
pflanzlichen Klebstoff angebracht. Bei manchen Zigarren wird der Kopf
durch das Zusammendrehen der Deckblattenden gebildet.
Anschliessend verleiht der Zigarrenmacher dem Deckblatt Glanz, indem
er mit dem Messer darüber streicht und die Zigarre auf dem Brett
rollt. Zum Schluss wird die Zigarre auf die richtige Länge zugeschnitten
sowie die Standardmaße der verschiedenen Zigarren mit Hilfe
von Mess-Schablonen kontrolliert.
Die Arbeiter in den Fabriken dürfen während ihrer Arbeit
soviel rauchen wie sie wollen. Und man findet auch wirklich kaum jemanden
ohne Zigarre im Mund. Sie dürfen sogar ein gewisses Kontingent
an Besucher verkaufen. Nur mithinausgenommen werden dürfen die Zigarren
nicht.
Die escogedoras überprüfen die Qualität der abgegebenen Zigarren.
Anhand einer Nummer in jeder Zigarrenschachtel kann nachvollzogen
werden, wer die Zigarren gamacht hat. Sollten sie nicht der Prüfung
standhalten, werden sie an die Arbeiterinnen zurückgegeben, die sie
kleinschneidet und als Füllung weiterverwendet.
Viele Frauen arbeiten hier, manchen bringen sogar ihre kleinen Kinder
mit.
Von einem Vorleser am Kopfende der Halle werden aktuelle Nachrichrichten
u.ä. vorgelesen. Das hat natürlich zur Folge, dass die Arbeiter
hier eine breite Allgemeinbildung haben.
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